Hochschule braucht Erste Hilfe
Erstellt von Kicker am Donnerstag 18. November 2010
Zwei Semester hat er ausgehalten, hat rund 10.000 Euro ausgegeben für Studiengebühren und Lebenshaltung, um an der privaten Akkon-Hochschule in Berlin zu studieren – jetzt hat Carsten Hüsing genug. "Das war ein riesengroßer Fehler", ärgert sich der Rettungsassistent, der eigentlich "Emergency Practitioner" auf Bachelor studieren wollte. Er hat seinen Ausbildungsvertrag gekündigt, beklagt chaotische Zustände an seiner ehemaligen Hochschule und nicht eingehaltene Versprechen.
Im ersten Jahr der 2009 gegründeten Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften reihten sich die Probleme: Nacheinander kündigten zwei verantwortliche Professoren. Von drei angekündigten Studiengängen existiert bislang nur einer – und von den ursprünglich 24 Studenten sind jetzt, zum Start des dritten Semesters, nur noch neun übrig, berichtet einer der gewählten Studentenvertreter, der nicht namentlich genannt werden will. Die meisten Studenten sind im Streit gegangen, fast alle haben einen Anwalt eingeschaltet.
Dabei schienen die Voraussetzungen zu stimmen: Die Akkon-Hochschule gehört der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH), nach dem Roten Kreuz die größte Hilfsorganisation in Deutschland. 13.000 Angestellte und noch mal 29.000 Ehrenamtliche arbeiten in Johanniter-Einrichtungen, darunter Kliniken, Reha-Zentren, Kindergärten, sogar Schulen. Eine eigene Akademie mit Standorten bundesweit bildet Mitarbeiter für die Arbeit in den Johanniter-Einrichtungen aus.
Spar-Hochschule ohne Ausstattung
Nächster Schritt: Eine eigene Hochschule. Fünf Jahre lang wurde die Gründung von der Johanniter-Akademie und Pädea, einem Institut für Bildung, Beratung und Forschung im Sozial- und Gesundheitswesen, vorbereitet. "Das war eine produktive, erfolgreiche Zusammenarbeit", erinnert sich Pädea-Leiterin Margot Sieger. Sie sollte mit ihrem Institut die akademische Kompetenz in das Projekt einbringen und wurde Gründungsrektorin.
Doch Sieger kündigte noch im ersten Semester. Die Prüfungsordnung sei missachtet worden, der Aufbau der Hochschulgremien nicht recht vorangekommen. "Der Elan, der vor der Gründung noch da war, ist den Beteiligten leider abhandengekommen", sagt Sieger. Weil sie um ihren Ruf in der Wissenschaftsgemeinde fürchtete, verließ sie die Akkon-Hochschule. Viele Lehrbeauftragte gingen ebenfalls.
Auch die Studenten beschwerten sich: Sie klagten über mangelnde Ausstattung, eine Online-Plattform, mit der gelernt werden soll, funktionierte nicht richtig, es gab nicht genügend Internet-Arbeitsplätze für Recherchen. Einige auf der Website aufgelisteten Mitarbeiter bekamen sie kaum oder nie zu Gesicht, Ansprechpartner waren oft nicht erreichbar.
Gründungsaufwand unterschätzt?
"Wir haben uns das schöngeredet und gedacht, dass das eben die Gründungsschmerzen sind", sagt Hüsing. Die Hochschulleitung beschwichtigte, präsentierte zum Start des zweiten Semesters einen neuen akademischen Leiter: Harald Karutz, ein ausgewiesener Fachmann. Die Studenten waren von ihrem neuen Professor begeistert – doch der bekam offenbar nicht die nötige Unterstützung. Ein ihm versprochener wissenschaftlicher Mitarbeiter hatte tatsächlich einen anderen Vollzeitjob bei den Johannitern.
Einiges spricht dafür, das sich die Johanniter mit der Gründung einer Hochschule übernommen haben. Womöglich ist eine Doppelbelastung schuld, beide Geschäftsführer sind auch anderweitig beschäftigt. Ralf Sick leitet das Bildungswerk der JUH mit Hauptsitz in Münster. "Die Funktion des Geschäftsführers der Hochschule selbst anzunehmen, war rückblickend ein Fehler", räumt Sick auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE ein. Der zweite Geschäftsführer, Wilfried Nelles, ist Landesvorstand der Johanniter in Nordrhein-Westfalen. "Die zusätzliche Belastung durch den Rückzug von Frau Sieger und Herrn Prof. Karutz führte zu einer Fülle von Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die von einer Person auf Dauer nicht bewältigt werden konnten", sagt Sick. Er führt die Anlaufschwierigkeiten in erster Linie auf "personelle Unterbesetzung" zurück.
Viel Arbeit für Harald Karutz: Lehrpläne ausarbeiten, Dozenten organisieren, Vorlesungen halten – eine Hochschule als Ein-Mann-Betrieb, so erschien es den Studenten. Wie zuvor schon Margot Sieger hielt es auch Karutz nach einem Semester nicht mehr an der Hochschule aus und kündigte. Dazu äußern mag er sich nicht: Eine Klausel in seinem Arbeitsvertrag verpflichtet ihn zur Verschwiegenheit, auch über das Ende seiner Anstellung hinaus. Studenten berichten, auch er habe die Missstände nicht länger verantworten wollen: Ordnungswidrige Prüfungen, fehlende Hochschulgremien, mangelnde Ausstattung.
Brandbriefe und Beschwerden
Die hochgesteckten Ziele der Hochschule – Forschung, internationale Vernetzung, berufsbegleitende Weiterbildung – rückten weiter in die Ferne. Die Studenten, die das Hochschulexperiment allein 400 Euro Gebühren im Monat kostete, beschwerten sich nun auch bei der Berliner Senatsverwaltung und der Agentur, die den Studiengang genehmigen soll.
In Berlin gibt es Dutzende private Hochschulen, was auch daran liegt, dass die Gründung vergleichsweise einfach ist. Das Bundesland will private Hochschulen anziehen und macht ihnen die Gründung einfacher als anderswo. Darauf ist man in der Senatsverwaltung stolz. Grob gesagt genügt es, ein Konzept einzureichen, einfach mal anzufangen und innerhalb von fünf Jahren die endgültige Zulassung zu bekommen. Nach den Beschwerden der Studenten im zweiten Semester verlangte die Senatsverwaltung Nachbesserungen – währenddessen schrieben sich schon die Studenten des zweiten Jahrgangs ein. Normalerweise verlässt sich die Behörde auf die jährlichen Berichte der Privaten.
Die Studenten verfassten außerdem einen Brandbrief an den Orden, das höchste Johanniter-Gremium. Zwar antwortet der Chef des Männerbundes, dem überwiegend Adlige angehören, nicht persönlich. Doch der "Herrenmeister" Oskar Prinz von Preußen ließ ausrichten, dass man die Johanniter-Unfallhilfe gebeten habe, sich "intensiv" mit den geschilderten Vorgängen auseinanderzusetzen und "für Lösungen zu sorgen".
"Neustart" nach einem Jahr
Endlich, nach zwei Semestern werden Konsequenzen gezogen: "Die berechtigte Erwartung an eine Hochschule, Lehrbetrieb und Studienorganisation reibungslos zu gewährleisten, haben wir zu Beginn sicherlich enttäuscht", sagt Ralf Sick. Er zog sich aus der Hochschularbeit zurück, die Geschäftsleitung wurde ausgetauscht und ein neuer akademischer Leiter nahm seine Arbeit auf. "Neustart", heißt es dazu aus der Pressestelle der JUH.
weiter mehr lesen und Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,724365,00.html
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Eine „Ausstellung“ nannte Hochschul-Rektor Bastian Kaiser die Energietage bei deren Eröffnung gestern Nachmittag und versuchte sie damit auch ganz explizit zur klassischen Messe abzugrenzen. „Gut informierte Besucher sind uns wichtiger, als Horden mit Luftballons“, sagte Kaiser vor rund 60 Gästen, darunter auch die Landtagsabgeordneten Ilka Neuenhaus (Grüne), Rita Haller-Haid (SPD) und Monika Bormann (CDU). Allerdings, schränkte er ein, „sind wir mit den Energietagen unserer Zeit nicht mehr ganz so weit voraus. Das Thema hat uns eingeholt.“ Darüber sei er mit Blick auf die gesellschaftliche Relevanz aber durchaus froh.
Deshalb ist es in drei Bereiche gegliedert, die das Erreichen dieser Ziele möglich machen.
"Unsere Pläne für den